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Kontroverse um Airbnb – Tiroler Tageszeitung

In Berlin ist es ab sofort verboten, Ferienwohnungen auf Plattformen wie Airbnb anzubieten. Bei Verstößen drohen bis zu 100.000 Euro Strafe. Die Debatte um den Vormarsch der privaten Zimmervermieter wird auch bei Tirols Touristikern geführt. Die Landesobfrau der Privatzimmervermieter, Theresia Rainer, kann sich ein Verbot für „unfaire Konkurrenz“ vorstellen. Die Hoteliersvereinigung verlangt gleiche Regeln für alle. Reisende steigen immer öfter in Ferienwohnungen ab. Für professioneiie Anbieter sind Piattformen wie Airbnb ein zweischneidiges Schwert.

Ob Couch, Zimmer oder Apartment – die Zahl der Reisenden, die sich über Internetportale private Unterkünfte suchen, boomt. Auch in Tirol nutzen Urlauber immer öfter Airbnb und Co. – vor allem in den Tourismushochburgen. Die heimischen Hoteliers pochen daher schon länger auf schärfere Regeln. Seit Wien im März diesbezüglich mit einer Verschärfung vorgeprescht ist, drängen die Sozialpartner nun auf eine bundesweite Lösung. In Salzburg geht das Baurechtsamt gegen illegale Vermieter vor.

Ein völliges Verbot der privaten Ferienwohnungen wie in Berlin ist für die Hoteliervereinigung (ÖHV) allerdings keine Option. „Es geht nicht darum, drakonische Strafen auszuteilen, sondern darum, Wettbewerbsgerechtigkeit zu haben“, betont ÖHV-Präsident Gregor Hoch im TT-Gespräch. Es könne nicht sein, dass sich private Anbieter weder um Fluchtwege, Anrainer, Fenstergrößen oder Absturzsicherungen kümmern müssten, „während bei den anderen die volle Wucht der Gewerbeordnung zuschlägt“. Airbnb ist aus Hochs Sicht „eine nette Ergänzung des touristischen Spektrums“, solange es nicht missbräuchlich verwendet wird. Er fordert „faire und gleiche Bedingungen für alle“.

Für die Branche sind die Plattformen ein zweischneidiges Schwert. Denn neben jenen, die ihre Privatwohnung an Gäste weitergeben, nutzen auch die gewerblichen Privatzimmervermieter Plattformen wie AirBnB, 9flats oder Wimdu. Für sie haben sich die Internetseiten in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Marktplatz entwickelt, sagt die Landesobfrau der Privatzimmervermieter, Theresia Rainer: „Airbnb bringt uns sehr viele Kunden.“Nicht gut zu sprechen ist Rainer jedoch auf den Wettbewerb durch private Zimmervermieter. „Diese sind für uns eine Konkurrenz. Wir haben Auflagen einzuhalten und müssen Steuern und Abgaben zahlen. Das machen viele von denen, die ihre eigene Wohnung vermieten, nicht“, sagt Rainer. Die Privatzimmervermieterin kann sich auch ein Verbot für die „unfaire Konkurrenz“ vorstellen. „Das, was die, die ihre eigene Wohnung vermieten, machen, ist nicht okay. Ein Verbot kann ich mir vorstellen. Aber nicht für die Plattformen – die sind wichtig für uns“, sagt Rainer.

ÖHV-Sprecher Martin Stanits glaubt, dass „alte“ Privatzimmervermieter den Druck der modern präsentierten Angebote von Airbnb und Co. künftig heftiger spüren werden als die Hoteliers. „Hier ist der Verdrängungswettbewerb stärker. Die alte Pension Resi wird wegfallen“, meint Stanits. Er räumt aber auch ein, dass die Plattformen in stark gebuchten Zeiten die Preise drücken. Wie sehr Airbnb die Branche schmerzt, lasse sich nicht beziffern.Wer gerne wissen würde, wie viel Geld ihm durch die privaten Vermietungen entgeht, ist der Staat. Um an die Nächtigungsumsätze zu kommen, hat die heimische Finanz vergangenen Sommer ein Amtshilfeansuchen an die USA und Irland gerichtet – dort hat Airbnb seinen Europasitz. Die Behörden wollen herausfinden, wer hierzulande sein Quartier vermietet und ob er dafür Steuern abgeführt hat. Bislang gibt es dazu noch kein
Ergebnis, wie die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Finanzminister Hans Jörg Schelling vergangene Woche zeigt. Die USA seien nicht zuständig, mit irischen Behörden liefen Gespräche zur Klärung von Detailfragen. Aufgrund des Steuergeheimnisses könnten inhaltlich keine Einzelheiten öffentlich bekannt gegeben werden, erklärte Schelling. Und: „Mit einzelnen Plattformen konnte entgegen deren ursprünglicher Zusage keine weiterführenden Gespräche vereinbart werden.“

 

Zahlen, Daten und Fakten zu Ferienwohnung-Vermietern in Tirol

Vermietplattforinen wie Airbnbsind in Tirol auf dem Vormarsch. Rund 2200 Unterkünfte werden auf Airbnb für das Bundesland angeboten. Wer diese oder nächste Woche eine Unterkunft beziehen möchte, müsste im Schnitt etwa zwischen 87 und 100 Euro pro Nacht dafür bezahlen, ergab eine Tarifrecherche auf der Homepage. Angebote werden aber auch bereits ab 40 Euro eingestellt.

Staat und Gemeinden entgehen durch die privaten Zimmervermietungen Millionen. Alleine aus Tirol fehlen dem Staat durch private Vermietungen über Plattformen wie Airbnb, Wimdu oder 9flats jährlich zwei Mio. Euro an Steuern, zeigt eine Studie der Tourismusberatung Prodinger.2016 dürften bundesweit rund 9 Mio. Euro an Mehrwertsteuereinnahmen abgehen. Weitere 4,5 Mio. Euro sollen den Gemeinden an nicht bezahlten Orts- und Kurtaxen entgehen. Dazu kommt noch nicht abgeführte Einkommenssteuern.

Starkes Wachstum gibt es generell beim Geschäft mit Ferienwohnungen. Das zeigt auch die gerade beendete Wintersaison. Übernachtungen in gewerblichen Ferienwohnungen legten laut Statistik Austria um fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Damit sind die Ferienwohnungsvermieter doppelt so stark gewachsen wie der Branchenschnitt. Bei Urlaubern aus dem Inland stieg die Nachfrage nach dieser Unterkunftsart gemessen an den Ankünften sogar um fast ein Viertel.

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