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„Unternehmer brauchen Luft zum Atmen“ Helmut Peter – HGV Praxis

NICHT MEHR, sondern andere Steuern

Helmut Peter, langjähriger ÖHV-Präsident und seit vielen Jahren nach Eigendefinition „nur mehr Oberstabsbuchhalter im Weissen Rössl“, wirkte entscheidend an der Prodinger-Broschüre „Hotellerie, quo vadis?“ mit. HGV PRAXIS sprach mit Peter zum Thema „Arbeitskosten“.

HGV PRAXIS: Herr Peter, eine alte Kritik von Ihnen lautet: Die Mitarbeiter kosten zu viel und verdienen zu wenig. Was bedeutet das konkret angesichts der Auswüchse der jüngsten Steuerreform?

Peter: Die Lohnsteuerreform ist ein Schrittchen in die richtige Richtung. Solange die kalte Progression nicht abgeschafft ist, bleibt dieses Stückwerk. Die Belastung der Arbeitskosten durch vielfältige Steuern und Abgaben
wie Wohnbauförderung, Kommunalsteuer, Familienlastenausgleichsfonds und Kammerfinanzierung ist kontraproduktiv. Arbeit wird damit schrittweise sowohl für den Dienstleister als auch für den Gast zu teuer. Der Staat
darf sich nicht über die Arbeit finanzieren, sondern muss diese deutlich entlasten und sich über eine ökologisch gewünschte Belastung von Energie und Ressourcen finanzieren. Nicht mehr Steuern ist das Ziel, sondern andere Steuerobjekte.

Das heißt, anders ausgedrückt, Österreichs Hotellerie und Gastronomie, die weltweit für Gastfreundschaft und hohe Dienstleistungskultur bekannt sind, müssen sich von der Dienstleistung verabschieden ?

Peter: Die Familienhotellerie ist auf dem Schweizer Weg – raus aus der Dienstleistung, hin zur Immobilie. Unsere Gäste sind in sinkendem Ausmaß in der Lage oder bereit, die durch hohe Arbeitskosten entstehenden
Preise zu bezahlen. Persönliche Dienstleistung fällt immer mehr weg und senkt damit die Lebensqualität. Zu hohe Arbeitskosten führen zur Selbstbedienungsgesellschaft, nicht nur im Bankenbereich, auch im Tourismus. Immer weniger Betriebe finden die Gäste, die sich das wünschenswerte hohe Niveau der persönlichen Dienstleistung leisten können und wollen.Das bedeutet, Konzepte, die extrem standardisiert sind, oder besser gesagt, mitarbeiterarme Konzepte sind auf dem Vormarsch.

Un- bzw. angelernte Kräfte – willlkommen in der Servicewüste ?

Peter: Das ewige Spiel der Hoteliers heißt Auslastung mal Preis. Um die Auslastung zu halten, verfällt in vielen, allzu vielen Fällen der Preis und damit der wirtschaftlich notwendige Erfolg. Die Hälfte der Betriebe schreibt trotz niedrigster Zinsen und Energiekosten rote Zahlen. Mein Kompliment an die erfolgreiche Hälfte, die es noch schafft, die Dienstleistungsqualität trotz exorbitanter Belastung des Faktors Arbeit aufrechtzuhalten. Aber wie lange noch?

Helmut Peter: „Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Logis ist mit weitem Abstand am dümmsten.“

Wie könnte nun ein Umbau des Steuersystems, also weg von der überbordenden Besteuerung des Faidiors Arbeit, aussehen?

Peter: Je höher die Steuer- und Abgabenquote, je dichter das atemraubende Netzwerk der Bürokratie, desto geringer der wirtschaftliche Erfolg eines Landes wie Österreich. Arbeit schafft man nicht mit gutem Zureden, sondern mit akzeptablen Rahmenbedingungen, wie sie Deutschland mit Erfolg realisiert hat: sinkende Arbeitslosigkeit bei einem – man höre und staune – Budgetüberschuss und niedriger Steuer- und Abgabenquote mit steigenden Reallöhnen seit 2015. Haben wir alles nicht in Österreich. Die Ökologisierung des Steuersystems zeigt den Weg. Arbeit entlasten, Ressourcen, Energie verteuern.

Und was wäre für den Tourismus ideal?

Peter: Wir sind Klein- und Mittelbetriebe, gleichgültig ob in der Hand von Familien oder Gesellschaften. Unsere Devise heißt Innovation, um Gästen Freude zu machen, aber Finger weg von großen Investitionen. Jeder Betrieb muss das für sich entscheiden. Ideale Rahmenbedingungen des Wirtschaftens schützen Menschen und Umwelt und lassen den Unternehmen Luft zum Atmen und die Freude am Investieren.

Die Regierung argumentiert, die erhöhte Mehrwertsteuer auf Logis zahle ohnehin der Gast und sei quasi ein Durchläufer. Was halten Sie von dieser Aussage?

Peter: Die Unfähigkeit der Entscheidungsträger in Bund und Land, die Legion von Vorschlägen zur Reformierung dieses schönen Landes umzusetzen, ist peinlich, frustrierend und macht wütend. Das wirtschaftliche Unverständnis dieses Kammerstaates mit parlamentarischer Fassade führt uns in die Schuldenfalle. Die Belastungen dieser Steueraktion treffen unterschiedliche Betriebe in unterschiedlichen Betriebslebenszyklen unterschiedlich hart. Mit weitem Abstand am dümmsten ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer im internationalen Wettbewerb. Sie ist eine reine Kostenerhöhung im Privatreisenden-Geschäft und wirkt wie die allfällige Erhöhung der Kanalgebühren. Der Satz „Aber das zahlen ja die Gäste“ zeugt von schlichter Unwissenheit und ist daher nichts anderes als peinlich.

Herr Peter, vielen Dank für das Gespräch.

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