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DIFFERENTVier Experten über »SeLbstoptimierung« und »individuaLisierung«
bis liin zu neuen Formen des Coworkings und zum Bedürfnis nach
EntscInLeunigung als attraktive Angebatsidee. .,

TEXT ALEXANDRA 30RSCHE FOTOS lAN E
LOCATION HERZLICHEN DANK AN DAS HOT

PRODUKTION ALEXANDRA DORSCHE
RUBY LISSI ; ´iVVl´W.RUBY-HCTELS.COM

/

karriere /hotel-biz

Wie ähnUch und doch
verschieden unter-
schiedUche Hotelkonzepte sein können, beweisen drei
Hoteliers und ein
Tourismusexperte, die mit unterschiedlichen
Konzepten punkten.KARRIERE Was macht ein erfolgreiches
Hotelkonzept aus?OTTO E. WIESENTHAL In meiner Situation
sind es gute Mitarbeiter. Wir haben in etwa

Thomas ReisenzahnDer ehemalige Geschäftsführer und Generalsekretär
der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV)
ist al^ademisch geprüfter Tourismuskaufmann,
Betriebsokonom und Geschäftsführer und Gesellschafter der Prodinger Tourismusberatung, die
zusätzlich acht HoteTs mit 1.000 Betten betreiben,
www.prodinger-tDurismu5beratung.at

40 Mitarbeiter und seit Jahren eine Fluktuationsrate, die unter 5 % geblieben ist. Wir
haben eine extrem gute Mitarbeiter-Situation, auch wenn es immer schwieriger wird.
Ich bin der Meinung, dass die Mitarbeiter
50 % des Erfolgs ausmachen. Wenn man ein
gutes Produkt hat, ist es auch ein Vergnügen
zu arbeiten, insofern ist die Frage nach der
Arbeit relativ.SUSANNE ZANAT Was ist Erfolg? Ich frage
mich, ob ich mich als erfolgreich bezeichnen
kann. Ich bin einfach authentisch und ziehe
mein Ding durch, daher habe ich den Zuspruch.
MICHAEL PATRICK STRUCK Es zeigt sich ein
gemeinsamer Nenner und das ist die Leidenschaft und Liebe zu dem, was wir tun. Unsere
Teams haben sich entschieden, den Weg mit
uns zu gehen und mit derselben Liebe imd
Leidenschaft zu arbeiten, weil es auch fiu” sie
eine Herzensangelegenheit ist. Man muss wissen, welcher Gast es ist, den man glücklich
machen möchte. Wir können nicht alles für
alle anbieten. Es geht natürlich auch darum,
mit begrenzten Mitteln das für den Gast zu
schaffen, was für ihn wichtig ist. Es ist ein
Kompromiss, Dinge wegzulassen, die er nicht
braucht, oder die er nicht bezahlen möchte
und das besonders gut zu machen, was ihm
wichtig ist. Wir haben uns gefragt: Wie würden wir uns ein Stadthotel wünschen? Nach
diesen Kriterien haben wir Dinge weggelassen, die andere in einem Luxushotel haben.
THOMAS REISENZAHN Wir haben uns
500 Hotclbilanzcn angeschaut und haben
daraus Erfolgsparameter abgeleitet, die
sich auch bilanziell ableiten haben lassen:
Flächeneffizienz, Effizienz bei Mitarbeitern
und die Positionierung des Hotels.Ist der Standort kein entscheidendes
Kriterium mehr?WIESENTHAL Früher war es ganz wichtig.
Ich hatte ganz großes Glück am Anfang,
wäre ich weiter draußen gewesen, wäre es
um einiges schwieriger gewesen. Aber heutzutage ist es egal, ob ich zwei Straßen weiter

»Differenzieren und Spezialisieren sind gefragt, um
erfolgreich am Marl«t zu
bestellen. Aber auch die Bereitschaft zur Veränderung,«THOMAS REiSENZAHN ProdingerTourismjsbcratung

Susanne ZanatDie Quereinsteigerin funktionierte drei GassenlokaLe
in Mini-Luxus-Lofts zum Wohlfühlen um, Eröffnung
2014, Mit »This is not a Hotel« setzt sie dabei explizit
auf individuelle Betreuung mit einem ungewöhnlichen
Namen. www.thisisnotahoteLat

bin. Die Gäste kommen nicht mehr wegen
dem Standort, sondern wegen dem Haus,
wegen der Marke.STRUCK Unseren Gästen ist eine zentrale
Lage sehr wichtig, weil sie fußläul^ig die gastronomischen Hotspots und das Nightlife
erschließen wollen, deswegen lassen wir uns
auch nur auf solche Standorte ein. Die Wahl
des Standorts ist die eine Wahl, die nicht
rückgängig zu machen ist, diese trifft man
nur einmal. Mittlerweile ist aber auch die
Umgebung entscheidend. Man muss sich
heute weiterentwickeln und das macht man
mit seinem Umfeld. Man muss die Kontraste,
die Ecken und Kanten in einem Viertel in seinem Konzept zulassen.

10 laLslalT kan-ictc o/l 2018

»ich stehe total auf meinen
Namen, ich könnte so viel mehr
machen. Mit ein bisschen mehr
Zeit und Geld wüsste ich
genau, wohin ich noch gehe.«SUSANNE ZANATThJsisnotaiotel

REISENZAHN Es gibt mittlerweile sehr wohl
erfolgreiche Hotehers, die einen C-Standort
haben. Früher sagte man Lage, Lage, Lage.
Jetzt sagt man Produkt, Produkt, Produkt!
ZANAT Mein Standort ist nicht der einzig
mögliche gewesen. Aber er hat alles geboten,
was in dem Moment für mich wichtig
und – noch mehr – auch finanzierbar war.
Ich befinde mich zwischen den Welten.
Ich habe junges, urbanes Publikum vom Karmelitermarkt, die Konservativen vom 9. und
die Multikultis vom 20. Bezirk. Das ist spannend und macht Spaß.Wie wichtig sind Cl und Markenführung in
der Wiedererkennungl
REISENZAHN Die großen Ketten verlieren
sich gerade in einem Trend- und Markensumpf. Wofür steht ein Novotel oder ein
Mercure Hotel? Es gibt keinen Unterschied
mehr. ~STRUCK Wir reden hier von einer überwiegend visuellen Wiedererkennbarkeit. Die
Bedeutung dieser Wiedererkennbarkeit
bezieht sich auf Gäste, die mehrmals buchen.
Wir wollen das Gefühl erzeugen, dass sie zu
»Freunden« zurückkehren. Es soll fast so
etwas wie eine menschliche Beziehungsqualität entstehen. Diese visuelle Identität ist aber
auch nur ein Teil der Marke. Zusätzlich bietet die funktionelle Homogenität Erwartungssicherheit. Selbst in der heutigen Zeit,
in der ich mich gut über Online Reputations-
Foren vorinformieren kann, bleibt immer
noch dieses letzte Quäntchen Unsicherheit,
was mich eigentlich erwartet.Wie heben Sie sich vom Mitbewerb ab?
WIESENTHAL Man muss seiner Konkurrenz
immer drei Schritte voraus sein. Wir haben
immer sehr viel mit interessanten Marketingideen gepunktet und haben jährlich bis zu
12 % Marketingbudget eingesetzt. Heute
stehen wir bei 7-8 %, da wir uns bereits
gefestigt haben. Unser Produkt hat es uns
ermöglicht, das zu machen. Wir haben bei¬

spielsweise nachmittags jetzt auch immer
Kuchen und Tee für unsere Gäste und ein
Zuckerlbuffet. Alles was man früher so gerne
hatte und heute nur noch selten in Zuckerlgeschäften erhält. Es sind genau diese
Kleinigkeiten, mit denen man sich abhebt
und den Gästen in Erinnerung bleibt.
ZANAT Bei mir ist es die persönliche Betreuung, aber nicht dieses maschinelle Freund-
lichkeitsgesicht, welches man teilweise vorgesetzt bekommt. Die Rezeptionistin, die
1000 Leute am Tag anlächelt und immer
dieselbe Standardfrage stellt, das ist >

Michael Patrick StruckDer Gründer und CEO von Ruby Hotels baute
als Unternehmer bereits erfolgreich die
Hotelgruppen Kameha, Gold Inn und Dormero
sowie den lmmobilienentwici«ler Cosmopolitan
Estates mit auf. www.ruby-hotels.com

FACTS
FIGURESSTÄDTEVERGLEICHUnter den Top-20 des StädtevergLeichs mit
der höchsten Lebensqualität finden sich
folgende deutschsprachige Städte1, Wien (AT2, Zürich (CH3, München (DE6. DusseLdorf (DE)7, Frankfurt (DE)8. Genf(CH)
10. Basel (CH)13, Berlin (DE)14, Bern (CH)
20. Hamburg |0E)MÜNCHEN VS WIEN

Bettenauslastung

59,8 % 58,9 ■

QueLlen; Mercer Studie 2018; Prodinger Tourismus Beratung;
Statistisches fffTff München, wv/w.muenchen.de; www.wien,5v,3t

»Wir haben uns nicht für
die Branche entschieden,
weil sie die lukrativste ist,
sondern weil sie eine
Herzensangelegenheit ist.«MICHAEL STRUCK Gründer & CEO Rubv Hotels

()/| 2018 knrricrc InlslalT ii

karriere /hotel-biz

> keine persönliche Beziehung! Ich höre
meinen Gästen zu, spreche sie aber auch an.
Im Gegenzug bekomme ich auch vieh Ich
habe viele Geschichten und Lebensgeschichten gehört, die mich persönÜch interessieren.
Dieser Austausch ist selten. Ich möchte ein
anderes Erlebnis bieten. Eigentlich verkaufe
ich Beziehungen – weniger Nächtigungen.
WIESENTHAL Ich war gerade 14 Tage in
neun Hotels in KaUfornien unterwegs. Und
das ist wirklich ein Unterschied. Es gibt keine
persönlichen Interaktionen. Es ist eine
geschulte/gespielte Freundlichkeit, mit keinem Interesse. Bei uns wird der löurismus
und die wahre Freude am Gast noch gelebt.
STRUCK Wir wollen keine Phrasenroboter
wie es in den standardisierten Kettenhotels
in den USA zwangsläufig passiert. Ich habe
selbst früher Hotels geführt, wo wir als
Markenvorgabe vorgegebene Phrasen hatten,
die sogar den Weg zur Toilette beschrieben
haben. Ein Hotel sollte seine Persönlichkeit
nicht nur nach außen tragen, sondern
auch nach innen. Es gilt einen Ort zu bieten,
der menschliche Tiefe hat und an dem zwischen den Mitarbeitern Bindungen entstehen
können.

»StiLLstand ist Endstand, Seit
27 Jaliren bauen wir kontinuierlich jedes Jahr um, Man
muss immer Neues bieten,
sonst hebt man sich nicht ab,«OTTO E. WIESENTHAL Hots: Altstadt Vienna

Otto E. Wiesenthal stammt aus der Mercedes-Händlerfamilie und arbeitete lange als Manager in den
Bereichen IT, Kfz-Indüstrie und Banken, bis er 1991, mit 40, das Hotel Altstadt Vienna am Spittelberg
eröffnete. Er begann mit 24 Zimmern, inzwischen sind es 61. Vor Kurzem folgte der Zubau von drei Suiten,
die in einem ehemaligen Fotografenlcft untergebracht sind. www.aLtstadt.at

12 iiilslarr karriiM-c o/. i>()i8

Zum Konzept der Ruby Hotels gehört neuerdings Coworking. Wie kam es zu diesem
Schritt?STRUCK Für uns war Coworking eine
logische Konsequenz. Wir haben uns mit
unseren Gästen ausgetauscht und es kristallisierte sich klar der Bedarf nach »Arbeitsflächen« heraus. Unsere Coworking Spaces
sind eigene Einheiten mit 1.000 bis 4.000
Quadratmetern. Wir haben den Fokus
auf eine Nische gesetzt: Lean Luxury,
unsere Zielgruppe kann man als kreative
Elite beschreiben. Coworking ist meiner
Überzeugung nach ein Hospitality-Geschäft.
Wir vermieten Zimmer/Büros auf Zeit.
Und wir sorgen dafür, dass es ein Ort ist, an
dem wirklich so etwas wie Gemeinschaft
entstehen kann. Nichts anderes also, als das,
was wir in unseren Hotels machen.
WIESENTHAL Kommunikation – das ist
etwas, das die Leute wollen. Heutzutage
will niemand alleine zu Hause arbeiten. Wir
bieten zwar kein Coworking in dem Sinn,
durch unsere vier Salons wissen wir aber, wie
trendig Coworking ist. Meetings nehmen in
diesen Bereichen zu, die Facilities zu bieten
steht für Qualität.ZANAT Unabhängig vom Hotel gesehen, regt
es die Kreativität an, branchenübergreifend
gemeinsam zu arbeiten.
REISENZAHN Auch große Unternehmen
haben Coworking für sich entdeckt und
betrauen Start-ups, die im Coworking
arbeiren, mit bestimmten Themen, um
kreative Lösungen zu erarbeiten. Das
wird nicht nur in urbanen Räumen funktionieren. Ruby ist hier Vorreiter. Es wundert
mich, dass so wenige bis dato aufgesprungen
sind.

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