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Tourismus-Ausblick 2022

Geht das profitable Zeitalter im Tourismus zu Ende? Ein nüchterner Ausblick auf die Hotellerie im Jahr 2022

Viele Touristiker verspüren nach dem Totalausfall der letzten Wintersaison und dem bereits vierten Lockdown ohnmächtigen Zorn. Es beschleicht sie immer wieder das gleiche Gefühl: eine herbe Enttäuschung über das Totalversagen der Politik, das direkt in die einzelnen Lockdowns führt. So gesehen, keine erfreulichen Aussichten für die Hotellerie im kommenden Jahr. Denn nach dem Stand der Dinge wird es immer wieder zu Mutationen kommen. Die Lösung liegt daher mit Sicherheit nicht im Aussetzen der Wirtschaftskreisläufe.

Das Aussetzen der Wirtschaftskreisläufe ist das falsche Rezept!

Mit Entsetzen registriert die Branche zudem, dass bei vielen Politikern offenbar die Meinung vorherrscht, die Hotellerie gehöre zu den „Treibern“ der Pandemie. Dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil. Laut Daten der AGES haben Hotels und Gastbetriebe einen Anteil von ein bis zwei Prozent am Pandemiegeschehen. Hotels sind evidenzbasiert sichere Orte und keine Beförderer der Pandemie.

Viele Betriebe sind inzwischen wirtschaftlich schwer angeschlagen. Gerade die Ferienhotels schöpfen in der Regel aus der Wintersaison ein Liquiditätspolster für das ganze Jahr (für die Zwischensaisonen und den schwächeren Sommer). Dies war aber bekanntlich 2021 nicht möglich, da die Förderungen zwar die Verluste abdeckten, aber keine Liquidität erzeugten. Viel Eigenkapital wurde in den beiden letzten Jahren verbrannt. Und dies bei einer von Haus aus schwachen Eigenkapitaldecke (13,7% in der Hochkonjunktur!). Eine niedrige Eigenkapitalquote, gepaart mit einem hohen Fixkostenanteil bei gleichzeitig hoher Investitionsintensität, senkt unweigerlich die Krisenfestigkeit! Bei vielen Betrieben müsste eigentlich schon das Reorganisationsverfahren (URG-Gesetz) greifen (Eigenkapital unter 8%). Auch die Möglichkeiten der Steuerstundung sind ausgelaufen und das Ratenzahlungsmodell der Finanzämter und Krankenkassen reicht derzeit einfach nicht aus. Die Banken sind ebenfalls äußerst angespannt, denn die Betriebe müssen gleichzeitig Betriebsmittelkredite, Investitionskredite sowie Kreditstundungen aus den Überbrückungskrediten bedienen – und das in der wichtigen Wintersaison.

Die Krise hat uns gezeigt, wie volatil viele Bereiche sind. Um mithalten zu können, braucht es neue Ideen und Anpassungen, vom Produkt / Hotel bis zur Betriebsführung. Daher ist es wichtig, vorausschauend zu agieren und frühzeitig mögliche Themenfelder zu erkennen, diese zu nutzen und gleichzeitig mögliche negative Folgen abzufangen.


Artikel-Übersicht:

Covid-Hilfsmaßnahmen und Betriebsprüfungen

Eigenkapital ist die Absicherungsbasis für die nächsten Jahre

Mitarbeiter

Nachhaltigkeit – Ändert sich nichts, ändert sich alles

Urbanisierung

Best Ager im Hotelangebot

Alternative Beherbergungsformen

Die Natur hereinholen

Flächeneffizienz

Sharing Dinner ersetzt langweilige Halbpension

Gäste-Ausblick

Die Reisegewohnheiten der Post-Corona Gesellschaft

Geändertes Geschäftsreiseverhalten und hybride Events

„Über-Digitalisierung“ und der Weg zurück zur Analogität

Weitere Themen


Kontaktieren Sie uns unter tourismusberatung@prodinger.at!
Gerne bieten wir Ihnen nach Terminvereinbarung ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch per Skype oder Telefon an.


1. Covid-Hilfsmaßnahmen und Betriebsprüfungen

Betriebsprüfungen erreichen ab 2022 eine neue Dimension. Dabei geht es um eventuelle Rückforderungen von erhaltenen Hilfsgeldern oder um eine möglicherweise bestimmungswidrige Verwendung. Auch eine Überkompensation könnte festgestellt werden.

In den verschiedenen Richtlinien für die Coronabeihilfen finden sich leider zum Teil sehr unbestimmte Begriffe, die in Zukunft problematisch sein können (siehe auch Artikel: Coronabeihilfen und Problemfelder).

Die Beihilfen dienen laut Richtlinien immer der Sicherung der Liquidität. Sie sollen auch nur dann zustehen, wenn man:

a) betrieblich von Corona betroffen ist und schlussendlich
b) keine Überkompensation des Schadens vorliegt

Auch willkürliche Verschiebungen von Umsätzen sind selbstverständlich untersagt.

Eine genaue Bestimmung vieler dieser Begriffe sucht man vergebens. Dies lässt viel Interpretationsspielraum für künftige Betriebsprüfungen offen.

2. Eigenkapital ist die Absicherungsbasis für die nächsten Jahre

Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe haben bei finanziellen Rücklagen bzw. Eigenkapitalausstattung sowie in Zusammenhang mit Fixkosten im Vergleich zur Gesamtwirtschaft eine schlechtere Ausgangsposition. Das Problem der geringen Eigenkapitalquote wird sich deutlich verschärfen. Bei den Überbrückungsfinanzierungen war diese Problematik bei der Beurteilung der Anträge schon in den letzten Monaten eine große Herausforderung (Zugangsvoraussetzung für Hilfsmaßnahmen).

Die derzeitige Situation lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Eigenkapitalbasis ist durch die Covid-Krise nochmals dramatisch gesunken.
  • Gutes Rating wird immer mehr zur Voraussetzung für Finanzierbarkeit.
  • Kürzer werdende Produktlebenszyklen und spezifische Gästebedürfnisse schaffen Probleme in der Finanzierung.

Vor dem Hintergrund einer sinkenden Eigenkapitalquote sind potenzielle Investitionsrisiken insbesondere für kleine Unternehmen zu erwarten. Am Ende der Krise droht dadurch ein Systembruch.

Hier schlagen wir eine befristete Übergangsregelung bis 31.12.2022 vor, wonach das Vermögen (die stillen Reserven) begünstigt mit dem Viertel-Steuersatz aufgewertet werden kann und die Bilanzen das echte Eigenkapital aufweisen. Dadurch wird die Bonität gestärkt und die Abschreibungsbasis langfristig erhöht.

Für die vielen anstehenden Betriebsübergaben wäre das eine wesentliche Erleichterung. Da die Bereitschaft zu Betriebsübernahmen im Tourismus ohnehin rar ist, soll ähnlich dem Abschmelzmodell der deutschen Erbschaftsteuer die Steuerbelastung überhaupt wegfallen, wenn der Betrieb zumindest fünf Jahre vom Nachfolger fortgeführt wird.

3. Mitarbeiter

Aufgrund der prekären Mitarbeitersituation steuert die Branche auf ein sehr kritisches Jahr 2022 zu. Eines steht in Bezug auf die zukünftige Dienstleistungsqualität in der Hotellerie fest: Auf die stattfindende Branchenflucht der Mitarbeiter muss dringendst reagiert werden. Der Fachkräftemangel ist kein neues Thema, er hat sich durch Corona aber nochmals zugespitzt. Zusätzliche Effekte, wie beinahe zwei fehlende Lehrlings-Jahrgänge und das Wissen um ein soziales Auffangnetz, habe viele Dienstnehmer dazu bewogen, auf andere Branchen auszuweichen.

Wir erachten folgende Punkte in der Mitarbeiterführung für 2022 als essentiell:

  • Positives und förderndes Arbeitsklima
    • Teamziele, Ideenförderung, Teamevents
  • Gute und transparente Kommunikation
  • Faires Gehalt
    • Bonifikation (Impfbonus) und Beteiligung
  • Freiraum bei der Arbeit
    • Klare Rahmenbedingungen schaffen
  • Work-Life-Balance
    • Flexible Arbeitszeitmodelle / Remote-Work
    • Prüfung der Arbeitsbelastung
  • Aus- und Weiterbildungen
  • Aufstiegschancen
  • Regelmäßiges Mitarbeiter-Feedback
    • Befragungen / Stimmungsbarometer

Mitarbeiter Service Charge

Mitarbeiter im Tourismus müssen mit Ihrer Arbeitsleistung oftmals die ausbleibende Rekrutierung anderer Kollegen auffangen. Kompensieren kann man Mitarbeitermangel und steigende Kosten nur durch höhere Preise plus Digitalisierung und Automatisierung. Das haben kleine wie große Hotels in der Tat inzwischen verstanden.

Kapazitätseinbußen durch den drastischen Mitarbeitermangel verursachen Cash-Flow Probleme. Daher sollte es ein steuerfreies Bedienungsgeld von 5% für die Tourismusbeschäftigten geben. Dienstleistung wird in Zukunft um einiges mehr kosten. Daran werden sich die Gäste gewöhnen müssen.


Trends, die sich in den Corona-Monaten verstärkt haben und auf welche die Hotellerie Antworten und Angebote finden muss:

4. Nachhaltigkeit – Ändert sich nichts, ändert sich alles

Die Globalisierung war für den Tourismus ein Wertschöpfungsturbo. Aber es ist zu befürchten, dass wir die Anfälligkeit dieses Motors jahrelang unterschätzt haben. Das weltweit aktive Corona-Virus führt uns dies drastisch vor Augen. Die Pandemie ist (auch) eine Konsequenz der Art und Weise, wie wir konsumieren bzw. es uns ermöglichen, so wie bisher zu konsumieren. Sie ist eine direkte Folge der absolut unsinnigen Idee, dass eine Wirtschaft immer und immer weiter wachsen kann und soll.

Wir haben die vielen komplexen Probleme, die wir unter „Klimakatastrophe“ verstehen, noch vor uns – angefangen von steigenden Temperaturen und wiederkehrendem Schneemangel über Natur- und Flüchtlingskatastrophen bis zu all den Dingen, über die wir eh schon immer sprechen und lesen. Insofern würde es uns wundern, wenn wir uns in zehn oder zwanzig Jahren an Corona noch als ein epochales Ereignis erinnerten. Auch wenn diese Phase für uns alle, glaube ich, jetzt sehr wichtig war, weil sie essenzielle Dinge aufgezeigt hat.

Zum Beispiel bedarf es einer profunden Veränderung der touristischen Produkte. Andernfalls wird die angestrebte positive Veränderung („positive change“) nicht zu verwirklichen sein. Und eine wahrhafte Veränderung wiederum kann nur geschehen, wenn der Antrieb dazu von den Menschen freiwillig kommt, wenn sich von selbst eine gewisse Freude entwickelt, längst angesagte Nachhaltigkeits-„To-Dos“ nicht nur zur befolgen, sondern sie auch als Selbstverständlichkeit im täglichen Leben zu praktizieren. Wenn es auf gut Deutsch den Menschen aus sich heraus am Herzen liegt, dass die „Sustainability“ kein Werbeschmäh bleibt. Oder mit anderen Worten: Nachhaltigkeit ist nicht das Ziel, sondern ein permanenter Weg!

In unserem Trendreport „Grüner wird’s nicht!“ zeigen wir, was sich in der Hotellerie verändern muss und kann.

5. Urbanisierung

2050 werden 70% der Weltbevölkerung in Städten und Ballungsgebieten leben. Der Anteil der Bevölkerung im ländlichen Raum geht entsprechend zurück. Insbesondere in den Großstädten, doch auch in kleineren urbanen Zentren, nimmt die Naturentfremdung zu. Das birgt für Feriendestinationen viele Chancen, aber auch Herausforderungen. Wie spreche ich die künftigen Gäste an? Auch das Mobilitätsverhalten ändert sich, wenn Carsharing sich breitmacht und Jugendliche keinen Führerschein mehr brauchen. Es bedarf hier tiefgreifender Mobilitätskonzepte in den Destinationen.

6. Best Ager im Hotelangebot

Aufgrund der Demografie und guter Renten wird es immer mehr zahlungskräftige Ältere geben, die einen 20 Jahre jüngeren Lebensstil pflegen und auch so angesprochen werden wollen. Eben nicht als Senioren, sondern als offene, kreative Menschen, die zwar an ihre Gesundheit denken (müssen), aber sonst das Leben bewusst genießen wollen. Wenn die reiseerfahrensten Menschen, die Babyboomer, in Pensionen gehen, dann ist das „Alter“ nicht mehr so wichtig. Die Vorstellung vom Alter wandelt sich und in Zukunft wird es vermehrt sogenannte „Best Ager Residenzen“ geben, wo Pflege und Betreuung vorhanden sind, aber versteckt angeboten werden.

7. Alternative Beherbergungsformen

Verschiedene alternative Beherbergungsformen gewinnen weiter an Bedeutung, auch aufgrund von Social Distancing! Dazu zählen Serviced Apartments, Chalets und Airbnb. Insbesondere naturnahe Beherbergungskonzepte werden gesucht: Tiny Houses, Almhütten, Baumhäuser, Glamping-Konzepte sowie Treehouse-Hotels.


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8. Die Natur hereinholen

Das Thema „Wald und Natur“ gewinnt an Bedeutung, vor allem in Zeiten, in denen man Menschenansammlungen ausweichen und der Stadt entfliehen möchte. Es ist erwiesen, dass sich Bewegung im Wald und in der Natur positiv auf Herz, Immunsystem und Psyche auswirken, ebenso der entspannende Blick in die Natur. Dieser Blick stillt die Sehnsucht nach Entschleunigung und nach natürlichen Geräuschen, die man vor allem im urbanen Raum schon lange nicht mehr gehört hat. Es hat sich eben viel getan in unserem Bewusstsein. Beherbergungsbetrieben eröffnen sich dadurch neue Chancen in der Angebotsgestaltung, vor allem hinsichtlich der Architektur und der Konzepte.

9. Flächeneffizienz

Die Baukosten sind in den letzten zwei Jahren um 16% gestiegen. Wir erwarten eine Konsolidierung, aber das Geheimnis liegt in einer konsequenten Flächenplanung, vor allem in den öffentlichen Bereichen. Die Gesamtfläche (BGF) pro Zimmereinheit (4 Sterne) sollte 80 m² nicht überschreiten. Während in städtischen Lagen die Hotelzimmer kleiner, stylischer und effizienter gebaut werden, sollten die Einheiten in der Ferienhotellerie künftig nicht größer werden, da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Weiters müssen Flächen auch mit Dienstleistung bespielt werden, und das ist unter dem Gesichtspunkt des Mitarbeitermangels oft gar nicht mehr möglich.

Faktum ist auch, dass sich pro m² bei großen Einheiten nicht so viel Geld verdienen lässt wie mit effizient optimierten Einheiten. Andere Bereiche wie Kreuzfahrten, Luftfahrt oder Yachten setzen das Prinzip der Flächeneffizienz seit Jahrzehnten gezielt ein, um den Umsatz zu maximieren.

Für long-stay Produkte (z.B. Serviced Apartments) werden ebenfalls kreative Lösungen zur Verbesserung der Flächeneffizienz entwickelt. Beispiele hierfür sind die Marken Zoku und Stay KooooK, in deren Apartments man mittels Schiebeelementen ganze Möbelstücke „verschwinden“ lassen kann.

Doch nicht nur die front-of-house Bereiche werden effizienter gestaltet, auch die Verwaltungs- und Lagerbereiche (back-of-house) werden bei Neubauten so platzsparend wie möglich geplant.

Hier geht’s zu den Hotel-Bautrends 2022

10. Sharing Dinner ersetzt langweilige Halbpension

In der Hotel-Gastronomie stellt sich der Trend des Food-Sharings oder Family-Style-Dinners ein und ersetzt die klassische Halbpension mit vier Gängen. Dahinter steht die Idee, durch das Angebot vieler unterschiedlicher Gerichte in kleinen Portionen (die gleichzeitig serviert werden) ein neues Genusserlebnis zu schaffen. Dies ist das Konzept von urbanen Restaurants wie das Neni am Prater oder des SevenNorth oder Stellas in Wien. Die Gestaltung der Gasträume zeichnet sich bei solchen Konzeptionen vor allem durch größere Tische (6 bis 12 Plätze) aus. In der Ferienhotel-Gastronomie gibt es auch erste Ansätze wie das „Luke’s Wohnzimmer“ im Hotel Sendlhofer‘s in Bad Hofgastein.

11. Gäste-Ausblick

Der Winter 21/22 wird wieder zur großen Herausforderung. Durch die volatile Situation mit Omikron kann der Reiseverkehr in Europa jederzeit wieder zum Erliegen kommen. Der internationale Reiseverkehr verharrt weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

Die Stadthotellerie in der Bundeshauptstadt und in den Landehauptstädten wird sich erst 2024 erholen. B-Städte (Kufstein, St. Pölten, Feldkirch etc.) erholen sich schneller als A-Städte. Das Aufkommen internationaler Gäste bleibt aber auch hier reduziert. Feriendestinationen mit einem hohen Binnentourismus werden im Sommer 2022 eine ähnliche Buchungslage wie 2020 bzw. 2021 haben.

12. Die Reisegewohnheiten der Post-Corona Gesellschaft

Die radikale Störung durch die vier Lockdowns hat die gesellschaftlichen Routinen nicht evolutionär verändert, sondern eher disruptiv unterbrochen. Die Reisebedürfnisse haben sich nicht grundlegend verändert:

  • Stillstand der Hamsterräder hat zu keinem Systemzusammenbruch geführt
  • Rückkehr zum alten Normalmodus bewirkt auch keine gravierenden Änderungen im Reiseverhalten
  • Aufbau eines zusätzlichen Stabilisierungsmodus (staatliches Auffangnetz) hat zur Sicherheit beigetragen und das zukünftige Urlaubsbudget nicht geschmälert
  • Routinen und Strukturen wurden zwar 2020/21 grundlegend in Frage gestellt, aber die Beschleunigungsmaschine wurde wieder in Gang gesetzt.

13. Geändertes Geschäftsreiseverhalten und hybride Events

Definitiv geändert hat sich das Geschäftsreiseverhalten: Man wird nicht mehr zu jeder Vertragsunterschrift und zu jedem Treffen in das Flugzeug steigen. Wir haben gelernt, mit digitalen Tools umzugehen und vieles wird sich daher auch weiterhin virtuell abspielen. Dies betrifft vor allem die kleineren Meetings. Klassische Konferenz- und Businesshotels müssen ihr vertrautes Geschäftsmodell überdenken und mitunter auf hybride Lösungen setzen.

Bei Live-Events werden nachhaltige Sicherheits- und Hygienekonzepte gefragt sein. Tagungshotels müssen daher neue Strategien und technologische Lösungen anwenden, um sicherere und hygienische Meetings zu ermöglichen. Hybride Events sind gekommen, um zu bleiben!

14.  „Über-Digitalisierung“ und der Weg zurück zur Analogität

Der Markt für Reisen wird dynamischer und komplexer. Gäste verhalten sich zunehmend unberechenbar, obwohl (oder gerade weil) die Reiseplanung so einfach ist wie noch nie. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und disruptive Modelle wie Airbnb haben das Urlaubsverhalten bereits massiv verändert.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird zunehmen. Allerdings muss KI in Zukunft  nicht nur Sehnsüchte wecken, sondern vielmehr auch die individuellen Beziehungen und Handlungen des Gastes zum jeweiligen Hotel berücksichtigen.

Die Digitalisierung und die ständigen Diskussionen rund um Datensammlung, Tracking und künstliche Intelligenz führen bei vielen Leuten zu Reizüberflutung und Stress. Diese Entwicklung erreicht heute schon einen Sättigungspunkt, an dem entgegengesetzte Tendenzen spürbar werden.

Menschen haben sich sehr oft in der Digitalisierungswelt verlaufen, der Tourismus kann eine neue Offline Oase werden. Für einen souveränen Umgang mit der Technik kann es helfen, vorübergehend Abstand zu nehmen. Denn neben dem Suchtpotential birgt die Nutzung von digitalen Medien die Gefahr, eine Stressquelle zu werden. Der vorübergehende Verzicht auf  Verfügbar- und Erreichbarkeit wird zu einem neuen Wunsch. „Digital Detox“ steht für einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone und anderen mit dem Internet verbundenen Geräten. In Urlaub und Freizeit, wo Erholung und Entspannung ganz groß im Vordergrund stehen, kann dies zur Grundlage attraktiver Angebote werden.


Weitere Themen:
  • Kreuzfahrer werden zu Thermenbesuchern: Eine sehr spannende Beobachtung ergibt sich bei Betrachtung der genaueren Gästeprofile (Wertewelten nach Sinus Milieus). So ist eindeutig erkennbar, dass die Bedürfnisse von Kreuzfahrern und Thermenbesuchern von großen Synergieeffekten geprägt sind. In Zeiten, in denen Kreuzfahrten nicht möglich waren, wurde von diesen Zielgruppen vermehrt auf Thermenbesuche ausgewichen.
  • OTAs profitieren: Die Chancen zur Stärkung des Direktvertriebes wären dagewesen, denn potentielle Gäste hatten durch die ständigen Änderungen rund um Reise-, Test- und Stornobedingungen das Bedürfnis nach direkter Ansprache und verlässlichen Informationen. Leider haben wir es in vielen Bereichen verabsäumt, diese Chancen zu nutzen. Online-Buchungsplattformen werden daher profitieren.
  • Sommerfrische immer beliebter: Fernreisen sind auch 2022 noch stark eingeschränkt. Und selbst, wenn diese temporär möglich erscheinen, so ist die Unsicherheit über die tatsächliche Realisierung ständig präsent. Auch 2022 wird damit voraussichtlich ein gutes Jahr für den sommerlichen Inlands-Tourismus.

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Ihre Kontaktperson:

Thomas Reisenzahn

t.reisenzahn@prodinger.at

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