Hotel-Kennzahlen „Fitness-Check“ 2025

Neue betriebswirtschaftliche Kennzahlen: Fitness-Check 2025 zeigt, dass höhere Mitarbeiterkosten die Ertragskraft der Hotellerie bremsen

Die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (OeHT), die Prodinger Tourismusberatung und Kohl > Partner haben die Kennzahlen der österreichischen Ferienhotellerie für den Fitness-Check 2025 ausgewertet. Der Branchenvergleich gilt als größtes Benchmarking im Alpenraum in der Hotellerie mit heuer erstmalig über 1.000 Betrieben. Als bewährte Kooperationspartner sind auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) – Fachverband Hotellerie, die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) sowie der OeKB > ESG Data Hub beim Fitness-Check dabei.

 

Der Fitness-Check 2025 liefert damit erneut wertvolle Informationen rund um die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Hotelbranche.


Fitness-Check 2025 zum Download


Stabile Auslastung, eingependelte Energiepreise – aber GOP verharrt auf niedrigem Niveau

Der Fitness-Check 2025 für Hotels zeigt:

  • Die Auslastung in vielen Betrieben bleibt auf gutem Niveau.
  • Die Energiepreise haben sich nach ihrem Allzeithoch etwas abgeflacht.
  • Der Wareneinsatz in Prozent der Gesamterlöse konnte leicht gesenkt werden.

Dennoch bleibt das operative Betriebsergebnis (GOP) auf einem historisch niedrigen Niveau. Hauptursache dafür sind steigende Personalkosten, die durch kollektivvertragliche Lohnerhöhungen weiter zunehmen. ESG-Kennzahlen sind inzwischen ein fester Bestandteil des Fitness-Checks und bilden eine wichtige Grundlage für zukunftsorientierte Strategien.

Auslastung gut, aber Umsatzdynamik flacht ab

Die Auslastung, gemessen in Vollbelegstagen (VBT), konnte insgesamt leicht gesteigert werden. Besonders die 3- und 3-Sterne-Superior-Hotellerie verzeichnete Zuwächse, während die höheren Kategorien nur noch geringe Steigerungen aufweisen.

Beim Gesamtumsatz je Zimmer ergibt sich ein differenziertes Bild:

  • 4-Sterne-Superior- und 5-Sterne-Betriebe: spürbare Steigerungen je Zimmer
  • 3-/3-Superior- und klassische 4-Sterne-Hotellerie: moderate Zuwächse bzw. Stagnation

Die Preisanpassungen im Beherbergungsbereich wirken zwar, reichen aber nicht aus, um die gestiegenen Kosten vollständig auszugleichen.

Mitarbeitende bleiben größter Kostentreiber

Die Mitarbeiterkosten steigen im Median in allen Kategorien weiter um rund 5–7 %.

  • Der Mitarbeiteraufwand je Vollzeitäquivalent (VZÄ) liegt im oberen Quartil bei über 50.000 € pro Jahr.
  • Der Median liegt bei 45.000–48.000 €.

Damit sind Mitarbeitende der größte Kostenfaktor. In vielen Betrieben liegt der Aufwand pro Kopf auf Rekordniveau, was die Gewinnmargen erheblich belastet.

Während die Wareneinsatzquote leicht zurückgeht, steigt der Anteil der Personalkosten am Gesamtaufwand weiter. Viele Betriebe arbeiten trotz guter Auslastung mit sehr engen Margen.

Energie: Vom Schock zur hohen neuen Normalität

Die Energieaufwände haben sich nach den starken Anstiegen der letzten Jahre auf hohem Niveau stabilisiert. In Relation zum Umsatz sind keine weiteren drastischen Ausschläge zu erkennen. Die Kostenkurve flacht ab, liegt aber weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau. Betriebe, die in Energieeffizienz und erneuerbare Energien investiert haben, sind aktuell im Vorteil.

GOP-Margen stagnieren

Die Entwicklung des GOP (in Prozent des Umsatzes) zeigt ein ernüchterndes Bild:

  • In der 3-/3-Superior-Hotellerie stagnieren die Margen.
  • Im 4-Sterne-Segment bleibt der GOP-Anteil auf Vorjahresniveau.
  • Nur im 4-Superior-/5-Sterne-Bereich gibt es im Median eine minimale Verbesserung von rund 0,4 Prozentpunkten.

In absoluten Zahlen (GOP pro Zimmer) sind über alle Betriebstypen hinweg leichte Median-Steigerungen erkennbar.

Fazit: Kein Anlass zur Panik, aber wenig Spielraum

Der Fitness-Check 2025 zeigt eine insgesamt stabile Ausgangslage für die Hotellerie: Die Auslastung ist überwiegend gut, Preise konnten weiter angepasst werden. Gleichzeitig steigen die Kosten – insbesondere bei den Mitarbeitenden – deutlich, während die GOP-Margen stagnieren und die Finanzierungskosten zunehmen. Die Branche befindet sich damit weder in einer Ertragskrise noch in komfortablen Verhältnissen.

Erfolgreiche Betriebe reagieren auf diese Herausforderungen mit einer klaren strategischen Ausrichtung. Neben Auslastung und Preisgestaltung gewinnen folgende Hebel an Bedeutung:

  • Eine präzise Positionierung am Markt
  • Effiziente betriebliche Abläufe
  • Eine professionelle, datenbasierte Preispolitik
  • Ein bewusstes und vorausschauendes Mitarbeitermanagement

Zudem werden ESG-Kennzahlen zunehmend zum Erfolgsfaktor: Die aktive Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsdaten schafft Wettbewerbsvorteile und trägt zur Kostensenkung bei.

Wer langfristig erfolgreich sein will, muss den eigenen Betrieb konsequent weiterentwickeln, wirtschaftlich steuern und strategisch aufstellen – denn der Handlungsspielraum bleibt begrenzt, auch wenn die Basis solide ist.

 

Thomas Reisenzahn
t.reisenzahn@prodinger.at

Marco Riederer
m.riederer@prodinger.at

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