Warum Tourismusbetriebe 2026 auf Fokus im Nachhaltigkeitsbereich setzen sollten

Zum Jahreswechsel sind Vorsätze und Zielsetzungen allgegenwärtig: Menschen schmieden Vorsätze, Betriebe schreiben Budget- und Investitionspläne, Destinationen feilen an Strategien für die kommende Saison. Was im Privaten selbstverständlich ist – sich vorzunehmen, was man verändern und verbessern möchte – braucht im Tourismus eine ähnliche Klarheit, gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht. Dazu überprüfen wir, was es für die erfolgreiche Umsetzung benötigt.

Vom Berichtsrahmen zur Betriebslogik

In den letzten Monaten hat sich – etwa im Zuge der EU-Omnibus-Initiativen – vermehrt eine Reduktion und Vereinfachung von Berichtspflichten sowie formaler Dokumentation herauskristallisiert. Während dies vorderhand den Anschein erweckt, dass der Druck beim Thema Nachhaltigkeit und ESG nachlässt, zeigt sich bei genauer Betrachtung das Gegenteil:  Der Fokus für Betriebe richtet sich stärker auf die tatsächlichen Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich und den Umgang mit Fragen im ESG-Kontext. Es geht darum, Nachhaltigkeit wirksam zu gestalten und Aspekte wie Klimarisiken, Energiepreise, Wasserverfügbarkeit, Mitarbeiterfluktuation und regionale Wertschöpfung aktiv und strategisch zu steuern.

ESG-Ziele wirken – wenn sie ökonomisch verankert sind

Gerade darin liegt auch eine Chance für Unternehmen: Gut gesetzte Nachhaltigkeitsziele sichern und unterstützen das Geschäftsmodell. Wer in Energieeffizienz, erneuerbare Energien oder intelligente Gebäudeleittechnik investiert, macht sich weniger abhängig von Preissprüngen und Versorgungsrisiken und gewinnt mittelfristig Planungs- und Kalkulationssicherheit. Ein Blick in die Branchenpraxis zeigt, dass wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe häufig auch bei Energie- und CO₂-Kennzahlen deutlich besser performen als der Median der Hotellerie. Gleichzeitig sind es Arbeitgeberqualität, Ganzjahresbeschäftigung, faire Entlohnung und Entwicklungsmöglichkeiten, die nicht nur Mitarbeiter binden, sondern sich direkt in Servicequalität, Gästebewertungen und Stammgästeanteil niederschlagen.

​Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob Tourismusbetriebe sich strategische ESG-Ziele berücksichtigen sollen, sondern wie solche Ziele bestmöglich gesetzt und verfolgt werden.

Fokus statt Überforderung: Die Kunst der richtigen Auswahl

Wie Neujahresvorsätze scheitern Nachhaltigkeitsstrategien oft an Überforderung und Überfrachtung:  Zu viele Themen, zu viele Ziele, zu wenig Klarheit.

Dabei ist es für Unternehmen nicht zwingend erforderlich, den gesamten Blumenstrauß aller Nachhaltigkeitsthemen abzuarbeiten, sondern jene Handlungsfelder zu identifizieren, die für den eigenen Betrieb und seine Geschäftstätigkeiten relevant sind. Hierzu braucht es strategische Klarheit.

An dieser Stelle schafft ein strukturiertes Vorgehen über eine Wesentlichkeitsanalyse Abhilfe. Bei diesem Prozess werden die Themen und Aspekte der Nachhaltigkeit nach ihrer „doppelten Wesentlichkeit“ bewertet: Welche Auswirkungen hat mein Betrieb auf Umwelt und Gesellschaft? Welche externen Nachhaltigkeitsthemen (z. B. Klimawandel, neue Gesetze) beeinflussen meinen wirtschaftlichen Erfolg?

Im Zusammenspiel dieser Perspektiven wird sichtbar, wo die Prioritäten und Handlungsfelder liegen – es entstehen klare Schwerpunkte – etwa regionale Kulinarik, attraktive Arbeitsplätze oder eine CO2-neutrale Infrastruktur – die individuell auf die Erwartungen der Kunden, finanzielle Spielräume und lokale Besonderheiten abgestimmt sind.

Auf dieser Basis beginnt die eigentliche Kunst, Handlungsfelder und Ziele so zu formulieren, dass sie weder weichgespült noch unrealistisch sind. Ausgangspunkt ist der Status quo, der idealerweise über einen Fitness-Check mit Kennzahlen zu Umsatz, Energieverbrauch, Wasser, Abfall, Personalstruktur oder regionaler Wertschöpfung erhoben wird. Wer weiß, wie der eigene Betrieb im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen dasteht, kann seine Ziele faktenbasiert und realistisch wählen – etwa, wenn der Energieverbrauch pro Nächtigung im Mittelfeld, der Anteil regionaler Lieferanten aber noch deutlich ausbaufähig ist.

Diese maßvolle Ambitionierung und Schwerpunktsetzung ist auch die Grundlage für ein langfristiges Zielbild, in den für das Unternehmen relevanten Handlungsfeldern im ESG-Bereich.

Für jedes Handlungsfeld können dann konkrete Zielsetzungen über 1, 5 und 10 Jahre formuliert und mit messbaren Kennzahlen hinterlegt werden. Klar formulierte, umsetzbare und mit Verantwortlichkeiten versehene Maßnahmen stellen schlussendlich die Erreichung dieser Ziele sicher.

​Am Ende geht es nicht darum, Nachhaltigkeit mit möglichst vielen Zielen und Maßnahmen zu überfrachten sondern darum, im Betrieb so zu verankern, dass Ziele und Maßnahmen bestmöglich wirken. Wer für sein Unternehmen die relevanten Handlungsfelder im Nachhaltigkeitsbereich identifiziert und passende ESG-Ziele ableitet, bündelt Ressourcen und schafft wirtschaftlichen Mehrwert.

Oder anders gesagt: Gute Vorsätze sind schnell formuliert. Angemessen ambitionierte Nachhaltigkeit-Ziele halten

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